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Der Blaue Faden (Teil 6)

33. Uferweg an der Leine

Der Uferweg an der Leine führt von der Leinebrücke an der Brühlstraße über mehrere Fußgängerbrücken bis zur Königsworther Straße neben der Roneburg.

An der Dreyer-Brücke kann, wer mag das Ufer wechseln.

34. Leinebrücke Königsworther Straße

Königsworther Straße (Foto: Detlef René Spanka)

Kandelaber
(Foto: Detlef René Spanka)

Die Segmentbogenbrücke wurde 1895-98 erbaut. Der Planer und Erbauer ist unbekannt. Die Dreierkandelaber mit Fabelwesen und pflanzlichem Dekor aus Kupferblech stammen von Carl Dopmeyer. Sicherlich eine der schönsten Brücken von Hannover.

Auf der Nordseite der Brücke befindet sich ein Rondell, die „kleine Neugierde“. Es gehörte einst zur benachbarten Pumpstation in der heute die Tanzakademie Brakel und Writers-Corner zu finden sind. Der Uferweg führt hier weiter zur Henriettenstiftung, die ein weiteres kleines Gebäude des ehemaligen Pumpwerkes als Kapelle nutzt.

Carl Dopmeyer (24.10.1824 – 09.11.1899)
Nach einer siebenjährigen Ausbildung, u.a. bei dem hannoverschen Bildhauer August Hengst, studierte Dopmeyer mit einem Stipendium des hannoverschen Königs 1851–56 an der Kunstakademie in München. Danach wirkte er bis zu seinem Tode wieder in Hannover. Seit 1856 war er Mitglied des Hannoverschen Künstlervereins. Er schuf seine bildnerischen Werke häufig in Zusammenarbeit mit den Architekten der Hannoverschen Schule, so mit Christoph Hehl, in seinen späteren Schaffensjahren vor allem Brunnen und Denkmäler. Viele seiner um die Jahrhundertwende entstandenen Skulpturen prägen noch heute das Stadtbild Hannovers.

  • Schiller-Skulptur auf dem Eingangsaltan des hannoverschen Opernhauses
  • Bödekerdenkmal, an der Marktkirche Hannover (Turm-Nordseite), Hanns-Lilje-Platz (1880, für den hannoverschen Pastor und Wohltäter Hermann Wilhelm Bödeker)
  • Burckhardtdenkmal, Hannover, Vordere Eilenriede (1883, für den Forstmann Heinrich Christian Burckhardt, 1859–79 Leiter der hannoverschen Forstverwaltung)
  • Vier Köpfe von Flussgöttern, Hannover, am Niedersächsischen Landtag, Friederikenplatz (1890, von der ehemaligen „Flusswasserkunst“) [siehe: Liste der verschwundenen Bauwerke des alten Hannover, 1897]
  • Gutenbergbrunnen, am Friedrichswall (1890), heute Gutenbergdenkmal in der Schloßwenderstraße
  • Heiligenstatuen an der St.-Elisabethkirche Hannover (von Christoph Hehl), Gellertstraße (1895, über der Eingangshalle)
  • Luther-Skulptur am Eingangsportal der Lutherkirche (1898), zerstört am 25. März 1945
  • Gänseliesel-Brunnen, Hannover, Goseriede (Steintor)
  • 1898 Lutherdenkmal, an der Marktkirche Hannover (Turm-Südseite), Am Markt (1899 begonnen, fertiggestellt von Ferdinand Hartzer)
  • 1898 Bronzestatuette des Otto von Malortie im Historischen Museum Hannover
  • 1898 Kandelaber mit Fabelwesen auf der Segmentbogenbrücke Königsworther Straße, 1895–98

35. Königsworther Platz

Der Königsworther Platz ist die meistbefahrene Straßenkreuzung in Niedersachsen. Er ist der zentrale Knotenpunkt für den Verkehr von und zum Westschnellweg in Form der Bundesstraße 6. Dabei dient der streckenweise hochgeständerte Bremer Damm (Landesstraße 190) als Zubringer, der westlich an den Platz anschließt. Der Königsworther Platz verteilt den einfließenden Verkehr auf den Cityring in Richtung Osten zum Hauptbahnhof und in Richtung Süden zur AWD-Arena und zum Maschsee.

Panorama Königsworther Platz

Panorama Königsworther Platz

Die Platzbenennung erfolgte nach der Ortschaft Königsworth, die sich einst zwischen der Brühlstraße im Osten und der Leine im Westen erstreckte. Der Platz entstand in der Mitte des 19. Jahrhunderts als Exerzierplatz für die der dort errichtete Kavalleriekaserne Nr. IX. Eine ähnlich militärisch bedingte Entstehungsweise ist in Hannover beim Welfenplatz und beim Waterlooplatz der Fall.

Plan des Platzes um 1896

Plan des Platzes um 1896

In der NS-Zeit war der Königsworther Platz des Öfteren das Ziel von Aufmärschen, denn die lokale Parteizentrale lag nur wenige Schritte weit entfernt. Die damaligen Machthaber tauften den Platz kurzerhand in Horst-Wessel-Platz um und bekräftigten dies mit dem Pflanzen einer Eiche. Nach dem Krieg wurden diese Spuren beseitigt und der alte Name wiederhergestellt.

Königsworther Platz um 1896

Königsworther Platz um 1896

Ein erster Vorläuferbau der Kaserne am Königsworther Platz war 1736 ein landesherrlicher Maultierstall, aus dem nach dem Siebenjährigen Krieg (1756-63) ein Kasernengebäude wurde. Darin war das Regiment Garde du Corps stationiert. Ab etwa 1840 entstand ein größerer Kasernenkomplex. Das Kasernengelände befand sich zwischen dem Neustädter Friedhof, der zu diesem Zeitpunkt noch St. Andreas Kirchhof hieß, und der Schlosswender Straße auf dem Grundstück des späteren Conti-Hochhauses, heute Leibniz Universität Hannover. Die Kaserne hatte drei Wohngebäude von etwa 20, 40 und 50 m Länge. Mit ihren Längsseiten standen die Gebäude zum Platz hin. Es handelte sich um Backsteinbauten auf einem Sandsteinsockel. Die Mannschaftsstuben waren durchschnittlich mit etwa 10 Mann belegt. Jedem untergebrachten Soldaten standen etwa 20 m3 an Raum zur Verfügung. In die Tiefe des Grundstücks erstreckten sich drei langgestreckte Stallungen für rund 400 Pferde. Weitere Nebengebäude waren Schmiede, Reitbahn und Krankenstall. Nach der Annexion des Königreichs Hannover durch Preußen 1866 wurde die Anlage zur Ulanen-Kaserne, in der das Königs-Ulanen-Regiment Nr. 13 stationiert war. Bei Bombenangriffen während des Zweiten Weltkriegs wurde die Kasernenanlage zerstört. Das unzerstört gebliebene Torportal, das 1736 Johann Peter Heumann schuf, wurde 1955 an der Bauverwaltung nahe dem Neuen Rathaus wieder aufgebaut

36. ehem. Villa Simon, heute Universität Hannover

Ehem. Villa Simon (Foto: Detlef René Spanka)

Ehem. Villa Simon
(Foto: Detlef René Spanka)

Heute Universität Hannover, Fachbereich Architektur; Brühlstraße 27; 1858 von dem Hofbaumeister Heinrich Christian Tramm erbaut für den Obergerichtsanwalt Eduard Simon, später im Besitz des Kommerzienrates Joseph Berliner. Die Villa Simon ist ein herausragendes Beispiel der Neorenaissance in Hannover; als einziger Bau in Hannover äußerlich fast unverändert geblieben.

Einen Abstecher wert ist der auf der gegenüber liegenden Straßenseite befindliche Neustädter Friedhof. Der Neustädter Friedhof im Jahre 1646 als Friedhof der Calenberger Neustadt angelegt worden. Er wurde am Andreastag (30. November) 1646 geweiht und hieß deshalb auch St. Andreas-Friedhof. Trotz Kriegsschäden und Verkleinerung besitzt der Friedhof noch einige bedeutende Grabdenkmäler, etwa des Komponisten Heinrich Marschner und des Arztes und Schriftstellers Johann Georg Zimmermann.

37. Skulpturenmeile von Hannover

Die im Jahre 2000 geschaffene Skulpturenmeile in Hannover besteht aus acht übergroßen Skulpturen im öffentlichen Straßenraum, darunter auch die bekannten Nanas von Niki de Saint Phalle. Die einzelnen Plastiken dieses Skulpturenweges sind entlang eines Straßenzuges auf einer Länge von etwa 1.200 Meter zwischen dem Niedersächsischen Landtag und den Herrenhäuser Gärten aufgestellt. Die sehr unterschiedlichen Arbeiten befinden sich überwiegend auf der grünen Mittelinsel der vierspurigen und stark befahrenen Straße.

38. Fußgängerweg zwischen Goethestraße und Friderikenplatz

Umschauende

Umschauende

Entlang der Skulpturenmeile auf dem Fußweg, der etwa dem Verlauf der ehemaligen Langen Straße folgt nähern wir uns wieder dem Anfangspunkt des Rundganges. In der Langen Straße 18 hat Wilhelm Busch einige Jahre gewohnt als er in Hannover Maschinenbau studierte, das er aber später zu Gunsten der Malerei und Dichtung wieder aufgab.

An der Ecke zur Clemensstraße finden wir „Die Umschauende“ eine Bronzeplastik von Kurt Lehmannn von 1957.

Am Duvebrunnen endet der Rundgang „Der blaue Faden“ durch die Calenberger Neustadt wieder. Wenn Sie möchten können Sie hier direkt in den Klassiker „Der Rote Faden“ durch Hannovers Innenstadt einsteigen und ihm noch bis zum Hauptbahnhof folgen.


Den Rundgang erarbeitete die Historikerin Dr. Annette v. Boetticher. Ergänzt wird er durch Artikel aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und anderen Quellen. Fotos Achim Brandau und Detlef René Spanka (www.spanka-foto.de).

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