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Der Blaue Faden (Teil 5)

27. Gemeindehaus der Neustädter Kirche

Gemeindehaus Rosmarinhof

Gemeindehaus Rosmarinhof

Gemeindehaus der Neustädter Kirche ist ein historisierender Fachwerkbau mit massivem Erdgeschoss. Erbaut 1910 von Eduard Meyer mit reich verziertem Dreiecksgiebel.

Gemeindebüro
Öffnungszeiten:
Mo, Di, Do, Fr 9-12 Uhr
Do 15-18 Uhr; Mi geschlossen

www.hofundstadtkirche.de

28. Duvehof/Rosmarinhof

Hier stand einst die Brug Lauenrode vor den Toren der Stadt Hannover. Die Burg stellte über 150 Jahre lang ein ständiges Ärgernis und eine Bedrohung für Hannover dar. Erst nach den Lüneburger Erbfolgekriegen gelang es den Hannoveranern 1388 die Zustimmung zum Abbruch der Burg zu erhalten.

Mädchen im Regen

Mädchen im Regen

Im heutigen Rosmarienhof befindet sich einer der wenigen Spielplätze der Calenberger Neustadt. Auf dem idyllisch gelegenen Spielplatz findet sich ein weiterer Brunnen. „Mädchen im Regen“ von Kurt Lehmann aus dem Jahr 1955.

Kurt Lehmann (31.08.1905 – 16.03.2000)
Kurt Lehmann studierte 1924–29 an der Staatlichen Kunstakademie Kassel bei Alfred Vocke und konnte auch in Kassel im Kunstverein 1929 seine erste Ausstellung mit bildnerischen Arbeiten zeigen. Nach Studienreisen nach Belgien und Frankreich, wo er u.a. Aristide Maillol besuchte, hielt er sich 1930 mit einem Stipendium in der Villa Massimo in Rom auf und lebte seit 1931 in Berlin. Hier war er mit den Bildhauern Gerhard Marcks und Gustav Seitz befreundet. Seit 1934 lebte Lehmann wieder in Kassel, 1940–45 war er Soldat, sein Atelier in Kassel wurde im Krieg zerstört. 1946 nahm er seine Arbeit in Kassel wieder auf und wurde schließlich 1949 Professor an der Technischen Hochschule Hannover (bis 1969), wo er den Lehrstuhl für Modellieren in der Architektur-Abteilung innehatte. Im Jahr 1955 war Kurt Lehmann Teilnehmer der documenta 1 in Kassel. Seit 1970 lebte er in Staufen im Breisgau.

Für seine künstlerischen Arbeiten, „die in ihrer strengen, vereinfachenden Formgebung an Ernst Barlach erinnern“ (H. Thielen, S. 226), erhielt Lehmann zahlreiche Preise und Auszeichnungen.

In Hannover schuf Kurt Lehmann zahlreiche Plastiken und Reliefs (meist aus Muschelkalk oder Bronze), die noch heute das Stadtbild beherrschen.

29. Geburtshaus von Heinrich Daniel Rühmkorff

Geburtshaus von Heinrich Daniel Ruehmkorff Gedenktafel (Foto: Detlef René Spanka)

Gedenktafel
(Foto: Detlef René Spanka)

Das Haus stand ehemals Rote Reihe 3 und ist heute nicht mehr vorhanden. Eine Gedenktafel am Haus Rote Reihe 2 erinnert an den Physiker und Erfinder Daniel Rühmkorff. Er erfand mit dem Funkeninduktor den Vorläufer der späteren technischen Transformatoren.

Heinrich Daniel Rühmkorff oder Ruhmkorff (15.01.1803 – 21.12.1877)

Rühmkorff verbrachte seine Lehrjahre in Hannover, arbeitete in Paris und London und ließ sich 1839 in ersterer Stadt nieder, wobei er den Namen Ruhmkorff annahm. 1844 stellte er zuerst einen thermo-elektrischen Apparat mit wesentlichen Verbesserungen auf, 1849 folgte dann ein sehr sinnreicher Apparat, um die magnetische Drehung der Polarisationsebene zu zeigen. Sein allgemein bekannter Induktionsapparat erschien zuerst auf einer internationalen Industrieausstellung in Paris 1855. Über einen derartigen Induktionsapparat, auch Funkeninduktor genannt, erzeugte Rühmkorff aus einer Gleichspannung von 15 Volt eine pulsierende Spannung von ca. 100.000 Volt. 1864 wurde er dafür von Napoléon III. mit einem Wissenschaftspreis (50.000 franc) für Elektrotechnik ausgezeichnet. 1867 erreichte er mit 6 Bunsenelementen kräftig knallende Funken von 40 cm Länge, die ungeheures Aufsehen erregten.

Funkeninduktoren fanden Verwendung als Spannungserzeuger in der Apparatur von Wilhelm Conrad Röntgen und bei Guglielmo Marconis Funkanlagen.

Auch Jules Verne wurde durch den Rühmkorffschen Induktionsapparat inspiriert. In einigen seiner Romane wird eine portable Lichtquelle (die Rühmkorfflampe z. B. in „Reise zum Mittelpunkt der Erde“) beschrieben, die auf einem Funkeninduktor basiert. Eine derartige von Jules Verne beschriebene Lampe wurde tatsächlich in der Zeit der Bucherscheinung von A. Dumas und Dr. Benoit entwickelt und vertrieben. Sie wurde bereits 1862 vorgestellt und ist als „Miners Lamp“ in wenigen Technik-Museen zu finden. Weit verbreitet war sie jedoch nicht, da sie zu teuer und zu schwer war.

30. Wohnhaus des Massenmörders Haarmann

Innenaufnahme des Gerichtssaales bei der Urteilsverkündung gegen Fritz Haarmann (Bundesarchiv Bild 102-00922)

Innenaufnahme des Gerichtssaales bei der Urteilsverkündung gegen Fritz Haarmann
(Bundesarchiv Bild 102-00922)

Fritz Haarmann (1879-1925), ermordete zwischen 1918 und 1924 mindestens 24 männliche Jugendliche, am 15.4.1925 hingerichtet. Wohnhaus in der Roten Reihe/Ecke Rosmarinhof (steht heute nicht mehr).

Der Film „Der Kriminalfall in Hannover“ bezieht sich auf den Fall des damals gerade überführten Massenmörders Fritz Haarmann. Von dem ursprünglich etwa 20minütigen Stummfilm sind nur fünf Minuten erhalten. Sie zeigen Aufnahmen aus der Innenstadt und Altstadt Hannovers, Orte an denen Haarmann wohnte bzw. sich aufhielt. Die Fragmente des Films zeigen wahrscheinlich die ältesten erhaltenen Bewegtbilder aus Hannover (Film im WMV-Format ansehen).

31. Gedenkstätte zur Erinnerung an die hier 1938 zerstörte Synagoge

Gedenkstätte für die ehem. Synagoge (Foto: Detlef René Spanka)

Gedenkstätte für die
ehem. Synagoge
(Foto: Detlef René Spanka)

Die 1100 Mitglieder der jüdische Gemeinde Hannover beauftragten 1862 den jüdischen Architekten Edwin Oppler mit der Planung einer neuen Synagoge. Im Unterschied zu den meisten anderen Synagogen – der gesellschaftliche Druck und eigene Bedenken verhinderten meist eine Entscheidung zugunsten einer herausragenden städtebaulichen Lage – entstand Opplers riesiger Kuppelbau 1854 bis 1870 mit 1100 Sitzplätzen auf einer Grundflache von 850 Quadratmetern freistehend auf einem Platz mit vier Schaufenstern.

Die Synagoge wurde am 15. September 1870 mit einem Gottesdienst eingeweiht und diente fast sieben Jahrzehnte als Gotteshaus, bis sie am 09. November 1938 in der „Reichskristallnacht“ zerstört wurde.

Edwin Oppler (18.06.1831 – 06.09.1880)
Edwin Oppler wurde 1831 in Oels (Niederschlesien) als Sohn eines jüdischen Kaufmanns geboren. Er besuchte die Schule in Breslau und ging 1849 nach Hannover, wo er bis 1854 an der Polytechnischen Schule bei Conrad Wilhelm Hase studierte, dessen Schüler und Mitarbeiter er wurde. Eine Zimmermannslehre schloss sich an. Seit 1856 Mitglied im Architekten- und Ingenieur-Verein Hannover, ging Oppler 1856-1860 zunächst nach Brüssel und Paris, wo er Mitarbeiter in den Büros von v. Hoffmann und Massenot, des Glasmalers Oudinot und vor allem bei dem Architekten Viollet-le-Duc in Paris wurde, wo Oppler u.a. bei der Restaurierung der Kathedrale Notre-Dame de Paris mitarbeitete und sich so wichtige Kenntnisse der gotischen Architektur verschaffte. Seit 1861 war er dann freier Architekt in Hannover. Er heiratete 1866 Ella Cohen.

Oppler wurde rasch bekannt durch seine zahlreichen, für adlige und bürgerliche Auftraggeber entworfenen, Wohnhäuser, Villen und Geschäftshäuser, vor allem in Hannover, aber auch durch die großartige Synagoge der Jüdischen Gemeinde Hannover in der Calenberger Neustadt, durch die Friedhofsanlage des Jüdischen Friedhofs An der Strangriede (Hannover-Nordstadt) und schließlich den Innenausbau des Schlosses Marienburg bei Nordstemmen, südlich von Hannover. 1866 wurde Oppler zum Baurat ernannt. 1872–1878 gab er die Zeitschrift „Die Kunst im Gewerbe“ heraus, 1872 wurde Ferdinand Schorbach Teilhaber in Opplers Architekturbüro.

Leider sind nur wenige Bauten Edwin Opplers gerade in Hannover erhalten, vor allem durch die Kriegszerstörungen 1943/44. Sein Hauptwerk, die große Synagoge in Hannover – Theodor Unger nannte sie „die Perle der hannoverschen Architektur“ – wurde ein Opfer des nationalsozialistischen Pogroms am 9./10. November 1938.

Edwin Oppler liegt begraben im Familiengrab Cohen seiner Ehefrau auf dem Jüdischen Friedhof An der Strangriede in Hannover.

32. Röm.-kath. Propsteikirche St. Clemens

Röm. kath. Probsteikirche St. Clemens (Foto: Detlef René Spanka)

Röm. kath. Probsteikirche
St. Clemens
(Foto: Detlef René Spanka)

St. Clemens ist die erste katholische Kirche Hannovers, die nach der Reformation gebaut wurde. Grundsteinlegung war am 6. Juli 1712, die Weihe am 4. November 1718. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Kirche in der Nacht vom 8. auf den 9. Oktober 1943 bei einem Luftangriff von Bomben zerstört. Nach Kriegsende wurde die Kirche wiederaufgebaut und nach den ursprünglichen Plänen ihres Architekten, des Italieners Thomaso Giusti, mit der von ihm geplanten Kuppel ausgestattet. Sie ist in Norddeutschland die einzige Kirche mit rein italienischem Charakter.

Nach der Reformation war es auch in Hannover immer wieder zu Unruhen zwischen Altgläubigen und Lutheranern gekommen. Als sie 1533 eskalierten, flohen am 14. September des gleichen Jahres die Bürgermeister und fast alle Ratsherren in das benachbarte katholische Hildesheim. Das katholische Leben in Hannover erstarb, zumal der Rat der Stadt 1588 den Katholiken auch das Wohnrecht in der Altstadt entzog.

Als 1665 Herzog Johann Friedrich den Herzogsthron in Hannover bestieg, änderte sich die Situation; denn Johann Friedrich war vier Jahre zuvor bei einem Besuch in Assisi zum katholischen Glauben übergetreten. Bedienstete des Hofes, vor allem Franzosen und Italiener, bildeten die kleine katholische Gemeinde und feierten Weihnachten 1665 den ersten katholischen Gottesdienst nach der Reformation. Am 28. Dezember 1679 starb Johann Friedrich, sein jüngerer Bruder Ernst August übernahm die Regierung. Zwar wandelte er das Recht der öffentlichen Religionsausübung für die Katholiken in ein privates Recht und ließ die Schlosskirche für den dort bis dahin gefeierten katholischen Gottesdienst schließen. Trotzdem versprach er freie Religionsausübung und erlaubte den Bau einer katholischen Kirche.

Diesen immer wieder hinausgezögerten Kirchenbau brachte der italienische Priester, Komponist und Diplomat Agostino Steffani voran. Steffani war 1688 als Hofkapellmeister in den Dienst von Ernst August getreten. 1707 empfing er in Bamberg die Bischofsweihe und im April 1709 wurde ihm das Vikariat von Ober- und Niedersachsen übertragen.

Steffani übertrug seinem Landsmann Tommaso Giusti Planung und Bauleitung der neuen Kirche. Giusti entwarf einen venezianischen Kuppelbau mit zwei flankierenden Türmen. Auf Kuppel und Türme musste schließlich mangels Finanzen verzichtet werden. Namenspatron der ersten nachreformatorischen Kirche Hannovers wurde der Namenspatron des damals regierenden Papstes, der heilige Clemens Romanus. Hintergrund: Papst Clemens XI. hatte sich in besonderer Weise für den Bau der Kirche eingesetzt und für ihre Finanzierung Geld gesammelt.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die bis auf die Grundmauern zerstörte St.-Clemens-Kirche für knapp 1,7 Millionen Mark wieder aufgebaut und am 24. November 1957 durch den damaligen Apostolischen Nuntius Aloysius Muench geweiht. Seit 1998 trägt die Kirche den Titel Päpstliche Basilika minor.


Den Rundgang erarbeitete die Historikerin Dr. Annette v. Boetticher. Ergänzt wird er durch Artikel aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und anderen Quellen. Fotos Achim Brandau und Detlef René Spanka (www.spanka-foto.de).

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