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Der Blaue Faden (Teil 3)

15. Waterloosäule

Waterlooplatz um 1896

Waterlooplatz um 1896

Die Waterloosäule ist 46,31 Meter hoch und wurde auf dem Waterlooplatz in den Jahren von 1825 bis 1832 nach einem Entwurf von Georg Ludwig Friedrich Laves errichtet. Einer ersten Idee nach sollte sie übrigens auf dem Lindener Berg errichtet werden.
Gekrönt ist sie ist mit einer Statue der Victoria. Ihr Stil ist der klassischen Antike nachempfunden und orientiert sich an der dorischen Säulenordnung.

Das Denkmal erinnert an den Sieg in der Schlacht bei Waterloo, den England, Hannover und Preußen am 18. Juni 1815 gemeinsam gegen Napoléon I. errangen. Die Säule wurde erst nach knapp zehnjährigen, 1816 begonnenen Diskussionen und Planungen verwirklicht. Die Einweihung fand am 18. Juni 1832, dem Jahrestag der Niederlage Napoleons, statt.

Das Bauwerk erhebt sich über einem sechsstufigen Sockel samt würfelförmigem Unterbau mit der Widmungsinschrift: „DEN HELDEN VON WATERLOO DAS DANKBARE VATERLAND“. Namenstafeln der Gefallenen sowie erbeutete Kanonen ergänzen das Ensemble.

Durch den hohlen kannelierten Schaft mit einem Durchmesser von 3,75 Metern führt eine Wendeltreppe bis zu der quadratischen Aussichtsplattform mit der auf einem Tambour und einer Kugel stehenden Figur der Victoria. Diese Statue wurde im Auftrage des Herzogs von Cambridge für den Preis von 200 Louisdor unter Verwendung von 10 Zentnern Kupfer nach einem Entwurf des Bildhauers August Hengst (1796–1868) von dem hannoverschen Hofspengler Konrad Beckmann (1780–1850) und seinem Sohn Franz (1811–?) gefertigt.

Heute wird der Platz gerne für Veranstaltungen genutzt. Zur Weltmeisterschaft 2006 war hier Public-Viewing angesagt. Regelmäßig gastierten hier der Zirkus Roncalli und andere Zirkus-Veranstalter.

16. Adolfstraße

Adolfstraße (Foto: Detlef René Spanka)

Adolfstraße
(Foto: Detlef René Spanka)

Die Adolfstraße ist benannt nach Herzog Adolph Ferdinand von Cambridge (1774-1850), dem jüngsten Bruder des Königs Ernst August von Hannover.

Von den aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammenden Prachtbauten ist kaum noch etwas erhalten geblieben. Allein das Gebäude der heutigen Blindow-Schule lässt die alte Pracht erahnen. 1860 wird es als Kriegsministerium erwähnt, 1939 als Standort-Lazarett und ab 1960 gehörte es zur Oberfinanzdirektion. Hier praktizierte auch der hannoversche Arzt und Begründer der orthopädischen Chirurgie Georg Friedrich Louis Stromeyer (1804-1876) am General-Militärhospital, das ebenfalls nicht mehr vorhanden ist.

Hier wohnte auch der Architekt Hermann Hunaeus (1812-1893), der mit seinem Baustil das Stadtbild der Calenberger Neustadt mit prägte. In der Adolfstraße stammen mehrere Großbauten und Wohnhäuser von ihm. Nachdem das Königreich Hannover 1866 von Preußen annektiert worden war und das Welfenschloss dadurch nicht mehr, wie eigentlich geplant, die neue Residenz des im Exil lebenden Georgs V. werden konnte, war es Hunaeus, der das Schloss zur Technischen Hochschule umbaute.

Adolfstraße (Foto: Detlef René Spanka)

Adolfstraße
(Foto: Detlef René Spanka)

Bauwerke von Hermann Hunaeus:

  • 1838–1879 Königliches Dicasteriengebäude (Regierungsgebäude) in Hannover, Am Archiv/Archivstraße/Calenberger Straße (in vier Bauabschnitten) (heute Niedersächsisches Umweltministerium)
  • 1847/48 Villa für Johann Egestorff in Hannover, Ricklinger Straße
  • 1852–1856 General-Militärhospital in Hannover, Adolfstraße (begonnen von Ernst Ebeling, ausgeführt von Hunaeus und Louis Stromeyer) (nicht erhalten)
  • 1853 Schwurgerichtsgebäude in Hannover, Georgsplatz (nicht erhalten)
  • 1854 Wohnhaus von Dr. Hermann Cohen in Hannover (nicht erhalten)
  • 1856/57 Eigenes Wohnhaus in Hannover, Adolfstraße (nicht erhalten)
  • 1857–1862 Herrenhaus Neubarenaue (Barenaue bei Bramsche)
  • 1859 Militärhospital in Stade
  • 1859/60 Militär-Bekleidungskommission in Hannover, Adolfstraße
  • 1861/62 Eigenes Wohnhaus in Hannover, Marienstraße (nicht erhalten)
  • 1872–1876 Lehrerseminar in Wunstorf (später Gymnasium)
  • 1875–1879 Umbau des Welfenschlosses in Hannover (am Welfengarten) zur Technischen Hochschule (heute Universität Hannover)

Mahnmal in der Ohestraße (Foto: Detlef René Spanka)

Mahnmal in der Ohestraße
(Foto: Detlef René Spanka)

17. Jüdisches Mahnmal

1990 errichtet an der Berufsbildenden Schule 3 in der Ohestraße 6, wo bis 1942 eine jüdische Lehrerbildungsanstalt stand. Es erinnert an 350 Juden, die nach Riga und Theresienstadt deportiert wurden.

18. Ehem. Militärbekleidungskommission

Heute Gewerkschaftsakademie der DAG, Adolfstraße 8; erbaut 1859-60, gehörte zu den Militärbauten rund um den Waterlooplatz, Lagerung und Verwaltung der Truppenbekleidung. Der Bau mit seinem imposanten Oberlichttreppenhaus gehört zu den wenigen, die fast unverändert erhalten geblieben sind.

Deutsche Angestellten Akademie

Deutsche Angestellten Akademie

Gleich daneben stand einst das Ernst August Palais in der Adolfstraße 2-3 in dem eine Zeit lang Georg V. mit Familie wohnte.

www.daa-hannover.de

19. Calenberger Esplanade

Calenberger Esplanade

Calenberger Esplanade

Ecke Humboldtstraße/Calenberger Straße, 1996-1998 erbaut, zwei ineinander greifende Gebäudekomplexe. Die Symmetrieachse ist mittig auf das denkmalgeschützte Gebäude der ehemaligen Militärbekleidungskommission ausgerichtet.

In der Calenberger Esplanade haben sich heute viele Fachgeschäfte etabliert.

Freiherr Adolph Franz Friedrich Ludwig Knigge (16.10.1752 – 06.05.1796)

Freiherr von Knigge

Freiherr von Knigge

Auf dem Gelände der heutigen Esplanade am Ende der Calenberger Straße bewohnte er ab 1787 ein kleines Gartenhaus.
Hier schrieb er 1788 die erste Ausgabe seines wohl bekanntesten Werkes Über den Umgang mit Menschen (heute einfach kurz als „Knigge“ bekannt). Knigge beabsichtigte damit eine Aufklärungsschrift für Taktgefühl und Höflichkeit im Umgang mit den Generationen, Berufen, Charakteren, die einem auch Enttäuschungen ersparen sollte. Man kann seine durchdachten und weltkundigen Erläuterungen sehr wohl als angewandte Soziologie würdigen, was in den Abschnitten Über den Umgang mit Kindern, Über den Umgang mit Ärzten, Über den Umgang mit Jähzornigen, Über den Umgang mit Schurken und nicht zuletzt Über den Umgang mit sich selbst deutlich wird.

20. Krankenhaus Friederikenstift

Ev. Krankenhaus Friederikenstift (Foto: Detlef René Spanka)

Ev. Krankenhaus Friederikenstift
(Foto: Detlef René Spanka)

1840 gründeten einige christlich engagierte Frauen aus Hannover auf Initiative von Ida Arenhold im Armenhaus der Stadt den „Frauenverein für Armen- und Krankenpflege“. Nach dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“ wollte der Verein der damals wachsenden Verelendung breiter Bevölkerungsschichten durch die Industrialisierung lindern. Zunächst basierte die Hilfe darauf Verdienstmöglichkeiten zu schaffen um sich wieder selbst erhalten und ernähren zu können. Aber auch die Krankenpflege gehörte von Anfang an dazu.

1843 stellte König Ernst August von Hannover das in der Calenberger Neustadt zur Verfügung, auf dem das Friederikenstift noch heute zu finden ist. Im Laufe der Zeit wandelte sich das Friederikenstift zu einem allgemeinen Krankenhaus mit vielen ärztlichen Fachabteilungen.

Garnisionskirche © Hauptstaatsarchiv Hannover

Garnisionskirche
© Hauptstaatsarchiv Hannover

Auf dem Grundstück des Friderikenstifts direkt am Goetheplatz stand früher die Garnisionskirche. Entworfen wurde sie von Christoph Hehl der auch das erste Lindener Rathaus an der Deisterstraße geplant hat. Die Kirche wurde im Krieg schwer beschädigt aber erst 1959 abgerissen.


Den Rundgang erarbeitete die Historikerin Dr. Annette v. Boetticher. Ergänzt wird er durch Artikel aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und anderen Quellen. Fotos Achim Brandau und Detlef René Spanka (www.spanka-foto.de).

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